Strompreiserhöhungen durch vorläufige Netzentgelte?

In den vergangenen Jahren wurden recht regelmäßig Strompreiserhöhungen an Millionen deutscher Haushalte verschickt. Ein Grund für diese Preiserhöhungen waren die geänderten Umlagen,

die sich in den meisten Fällen zum Jahreswechsel hin ändern. Eine wichtige Umlage ist die sogenannte EEG-Umlage. Diese wird auch häufig als Grund für Strompreiserhöhungen genannt. Dabei gibt es viele weitere Umlagen, die sich meist auch zum Jahreswechsel ändern. Die EEG-Umlage ist aber mit Sicherheit die Umlage, die aktuell die größte Bedeutung besitzt.

Neben Umlagen ändern sich Netzentgelte

vorläufige Netzentgelte Neben den vielen verschiedenen Umlagen ändern sich auch die Netzentgelte von Jahr zu Jahr. Auch bei den Netzentgelten werden die Änderungen häufig zum Jahresbeginn, z.B. zum 1. Januar 2014 oder zum 1. Januar 2015, wirksam.

Die Stromnetzentgelte haben dabei teilweise eine ähnliche Höhe wie die EEG-Umlage. Die Ökostrom-Umlage und auch die Netzentgelte haben damit einen wichtigen Einfluss auf den neuen Strompreis und damit auch auf eventuelle Strompreiserhöhungen.

Bei der EEG-Umlage gibt es im Vorfeld, über das Jahr verteilt, häufig Berichte, die über die mögliche Höhe der EEG-Umlage für das Folgejahr spekulieren. Häufig ändert sich dann in diesen "Berichten" noch die mögliche Höhe der EEG-Umlage. Wenn die EEG-Umlage dann aber von offizieller Seite Mitte Oktober verkündet wird, ist die Umlage für das Folgejahr auch verbindlich und damit für das gesamte Jahr gültig. Wenn sich dennoch Änderungen ergeben sollten, werden diese erst in der EEG-Umlage des übernächsten Jahres berücksichtigt.

Auf diese Weise haben Stromanbieter Planungssicherheit, was die Höhe der Ökostrom-Umlage angeht. Die Stromversorger können also bereits im Oktober eines Jahres für das Folgejahr mit einer verbindlichen EEG-Höhe kalkulieren.

Schwierigkeiten durch vorläufige Netzentgelte

Diese verbindliche Grundlage ist bei den Stromnetzentgelten nicht unbedingt vorhanden. Hier sind die Netzentgelte teilweise etwas undurchsichtig. So werden von den verschiedenen Stromnetzbetreibern häufig "vorläufige" Netzentgelte veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen sind aber leider nicht verbindlich.

Auf diese Weise kalkulieren Stromanbieter unter Umständen mit Netzentgelten, die zu hoch sind. Neukunden können auf diese Weise zu hohe Preise zahlen. Aber auch bestehende Kunden können betroffen sein. So können durch falsche vorläufige Netznutzungsentgelte Strompreiserhöhungen notwendig sein.

Hintergrund der vorläufigen Netzentgelte

In Deutschland gibt es inzwischen über 900 verschiedene Stromnetzbetreiber, die unterschiedlich hohe Gebühren (Netzentgelte) für die Weiterleitung von Strom verlangen. Die für Stromanbieter hiermit verbundenen Kosten können sehr unterschiedlich sein. So kommt es häufig vor, dass die Netzentgelte in Ballungsräumen wie in Berlin niedrig sind und die Stromnetzentgelte auf dem Land, mit vielen neuen Anlagen auf Basis erneuerbarer Energien, hoch sind.

Die örtlichen Stromnetzbetreiber haben keinen direkten Wettbewerber. Wenn sie die sogenannte Konzession für ein Gebiet bzw. einen Ort haben, sind sie für viele Jahre für das Gebiet zuständig.

Da es zwischen den Stromnetzbetreibern keinen direkten Wettbewerb gibt, der zur Preisbildung führt, muss es eine andere Organisation geben, die für die Preise verantwortlich ist. Diese Organisation ist die Bundesnetzagentur. So müssen Stromnetzbetreiber ihre Gebühren (Netzentgelte) durch die Bundesnetzagentur genehmigen lassen.

Die Bundesnetzagentur verwendet dabei recht komplizierte Berechnungsmethoden, z.B. Erlösobergrenzen. Dabei werden Stromnetzbetreiber verpflichtet, dass sie bis zum 15. Oktober des Jahres neue Netzentgelte für das kommende Jahr veröffentlichen müssen. Hierbei kann es sich jedoch um vorläufige Netzentgelte handeln. Diese vorläufigen Netzentgelte können sich bis zum 1. Januar nochmals ändern.

Problem der Kalkulation mit vorläufigen Netzentgelten

Stromanbieter, die diese vorläufigen Netznutzungsentgelte verwenden, können sich schnell verkalkulieren. Gerade die Kombination aus höheren Umlagen und höheren vorläufigen Netzentgelten, können zu Strompreiserhöhungen führen. Strompreiserhöhungen müssen aber mindestens 6 Wochen vorher angekündigt werden. Das bedeutet, dass die Stromanbieter häufig nur vorläufige Netzentgelte verwenden können, da zum Benachrichtigungstermin für den Kunden keine endgültigen und verbindlichen Daten vorliegen.

Hier sollten die verschiedenen Fristen besser miteinander abgestimmt werden. Wenn verbindliche Netzentgelte zum Benachrichtigungstermin (oder möglichst sogar 2 - 3 Wochen vorher) für Preiserhöhungen vorliegen würden, könnten einigen Stromkunden Strompreiserhöhungen und damit viel Ärger erspart bleiben.